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Geschichten 2004

 

Überraschung im Gartenteich

An einem lauen Sommerabend staunte das ältere Ehepaar nicht schlecht, als in ihrem Gartenteich plötzlich ein recht grosses Tier aus dem Wasser auftauchte und wieder verschwand. „Was war denn das?“, fragten sich die Eheleute. Sie legten sich also auf die Lauer und blickten schliesslich erstaunt in die Augen einer Wasserschildkröte. Wo kam die denn bloss her? In dieser Gegend gibt es doch gar keine wild lebenden Schildkröten. Der Mann fischte das Tier aus dem Wasser und telefonierte dem Tierschutzverein. Am nächsten Morgen holte ich das Findeltier ab, und gewährte ihm vorerst eine notdürftige Unterkunft in einem Waschzuber mit einer Insel aus grösseren Steinen darin.

Ich setzte mich an den Computer und versuchte herauszufinden um was für eine Art Schildkröte es sich handelte, danach informierte ich mich über deren Haltung und Pflege. Der Grösse nach handelte es sich um eine nicht mehr ganz junge Rotwangenschildkröte.

 

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Sehr wahrscheinlich war sie ihrem früheren Halter zu gross geworden und dieser entledigte sich des Tieres indem er es in einem Gartenweiher aussetzte. Nach verschiedenen Telefonaten fand ich einen Mann in Spiez, der sich solcher Schildkröten annahm. Astrid Löhrer stellte sich zur Verfügung um das Tier zu diesem Mann zu bringen. Der Schildkrötenexperte stellte sogleich fest, dass es in einem miserablen Zustand sei. Durch intensive Pflege und artgerechte Haltung würde er es aber höchstwahrscheinlich über die Runden bringen. Er übernahm

die Wasserschildkröte und schon bald konnte sie zu ihren anderen Artgenossen ins wunderschön angelegte Aussengehege übersiedeln. Diese Schildkröte hatte für einmal Glück im Unglück gehabt…

 

 Der ungebetene Gast

An einem schönen Sommermorgen, als ich gerade im Garten gemütlich einen Kaffee trinken wollte, rief eine äusserst aufgeregte Frau an. Sie arbeite in einem Solarium in Interlaken, sagte sie, und als sie die Türe des Geschäftes öffnete, sei ein kleines und blitzschnelles Tier neben ihr ins Gebäude hineingeflitzt. Als sie genauer hinschaute, sah sie, dass es sich um eine Ratte handelte. Als Erstes schloss sie das Geschäft sofort wieder ab. Es sei schliesslich niemandem zuzumuten, im Solarium zu liegen, wenn ständig eine ausgewachsene Ratte munter hin und her huscht. Zunächst versuchte sie das Tier irgendwie einzufangen, was sich natürlich als unmöglich erwies.

Als Tierfreundin brachte sie es auch nicht übers Herz, Rattengift zu streuen. Also fragte sie mich, ob ich ihr nicht behilflich sein könne. Mit einem Katzenkorb bewaffnet gingen wir also auf Rattenfang. Das wendige Tier rannte kreuz und quer durch die Räume und versteckte sich hinter den fest montierten Liegen. Eher durch einen glücklichen Zufall als durch unser Können rannte die Ratte plötzlich in den Korb, den wir mit Hilfe eines Reklameschildes des Solariums sofort verschliessen konnten. Nun sassen wir völlig erschöpft am Boden und brachen in schallendes Gelächter aus. Wir fanden die ganze Aktion plötzlich doch sehr amüsant.

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Die Ratte wurde am Nachmittag wieder in die Freiheit entlassen. Natürlich nicht mehr im Solarium, sondern im nahe gelegene Wald. Im Solarium wurde sie nie mehr gesehen. Sehr wahrscheinlich hat sie dieser Besuch nicht überzeugt. Es ging ihr dort wohl etwas zu hektisch zu.


 

 

 Garfield, zahnloser Greis sucht ein neues Zuhause

Kürzlich musste ich wieder einmal mit meinen Katzenfallen ausrücken, um einige herrenlose wilde Katzen einzufangen. Obwohl diese bereits seit Jahren von einer „tierliebenden“ Frau gefüttert worden waren, waren sie plötzlich nicht mehr erwünscht. Weil die Tiere selbstverständlich nicht kastriert waren, markierten sie alles rund ums Haus, sodass ein penetranter Geruch überall in der Luft lag. Aus eben diesem Grund wurde dann auch der Tierschutzverein angerufen. Wir sollten die Tiere abholen, bevor sie auf andere Weise, z.B. vom Wildhüter oder von erzürnten Bürgern entfernt oder gar getötet würden. Derartige Einsätze behagen mir gar nicht und es bricht mir fast das Herz, wenn ich mit meiner lebenden (und auch sonst sehr lebhaften) Fracht zur Tierklinik fahre.

Meine Befürchtungen, dass wir die unerwünschten - und manchmal auch etwas unansehnlichen - Büsis einschläfern müssen weil wir kein Plätzli für sie finden können, bewahrheiten sich zwar so gut wie nie, plagen mich aber trotzdem jedes Mal.

Bei dieser Aktion ging mir auch ein sehr altaussehender „Maudi“ in die Falle. Wir sollten diesen doch gleich einschläfern, beschied uns die ja so tierliebende Dame, da er sowieso schon alt sei. In der Tierklinik angekommen, wurde er erst einmal narkotisiert, damit man ihn in Ruhe untersuchen und eine Entscheidung fällen konnte. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich sehr alt sein musste, jedoch gesund war. Er hatte nur noch einen einzigen Backenzahn und sah auch sonst nicht ganz jugendlich aus. Genauer gesagt hatten seine jahrewährenden Revierkämpfe schwere Spuren an Kopf und Körper hinterlassen und auch seine Ohren erinnerten an Scherenschnitte.

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Trotz all dem brachte es niemand aus der Tierklinik übers Herz, diesen alten Kater einfach einzuschläfern, denn ein so altes aber gesundes Tier sollte doch trotzdem ein Recht auf Leben haben.

Er wurde also kastriert, entwurmt, entfloht und von Ohrmilben befreit: kurz gesagt, ein grösserer Service war unumgänglich! Abends brachte ich ihn dann, in einem grossen Käfig platziert, zu uns nach Hause. Was nun? Ich hatte die grössten Bedenken, ob ein neues Zuhause für ihn gefunden würde, denn wer sollte schon einen so alten fast zahnlosen Greis bei sich aufnehmen wollen? Die Tage vergingen, und Garfield, wie ihn meine Kinder tauften, wurde immer zutraulicher und mauserte sich bald zum Liebling der ganzen Familie. Obwohl er alles andere als eine Schönheit war, fanden ihn meine Buben sehr niedlich!

 

 

Eines Tages hatte Karin Gemperle, eine der Praxismitarbeiterinnen, eine zündende Idee. Vor einiger Zeit konnte sie eine Katze, die an Diabetes litt, an eine junge Frau vermitteln. Warum nicht bei dieser noch einmal anfragen, vielleicht hätten wir ja Glück. Wir hatten Glück! Die Frau war sofort einverstanden und kam Garfield am nächsten Tag bei mir besuchen. Sie schloss ihn sogleich ins Herz und er durfte mit ihr in sein neues Zuhause einziehen. Nach vielen Jahren des Kämpfens um Futter und Revier fand er nun endlich eine ruhige, liebevolle und altersgerechte Bleibe. Was lange währt wird endlich gut!


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