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Geschichten 2006

 

Willkommen im Leben  

Letzten Sommer erhielt ich eine Katze, die jemandem in Brienz zugelaufen war und dort die ansässigen Katzen terrorisierte. Es stellte sich heraus, dass sie trächtig war und wohl schon bald Junge gebären würde. Ich hatte noch nie eine Katzengeburt erlebt und freute mich auf das bevorstehende Ereignis. Auch für meine Kinder würde es bestimmt ein Erlebnis werden.

image007 trenner Nach einer Woche war es bereits soweit. Abends um 23.00 Uhr gingen die Wehen los. Ich holte die Kinder aus dem Bett und wir versammelten uns vor der Wurfkiste, die ich bereitgemacht hatte. Es war erstaunlich. Brigitte, wie wir das Büsi getauft hatten, gebar ohne viel Aufhebens ein Junges nach dem andern. Sofort nach der Geburt leckte sie sie trocken und die Winzlinge suchten sogleich nach den Zitzen der Mutter. Für uns war das eine äusserst spannende Angelegenheit. Zuerst kam ein gestromtes Tigerli zur Welt, dann ein Getupftes, nachher ein schwarz/weisses und zuletzt ein weiss/schwarzes. Kurz nachdem das letzte Junge geboren war, benahm sich die Mutter plötzlich eigenartig. Sie liess dieses letzte kleine Büsi einfach liegen und wandte sich den drei anderen zu. Das Kleine bewegte sich nicht. Ich fühlte mich ziemlich unbeholfen und wurde immer nervöser. In meiner Verzweiflung rief ich Karin Gemperle, die Tierarztassistentin, an. Da es schon 1.00 Uhr nachts war, dauerte es einen Augenblick, bis ich ihre verschlafene Stimme hörte. Karin gab mir Instruktionen, wie ich dieses kleine Ding wiederbeleben sollte, und versprach, dass sie sofort vorbeikommen würde. Ich holte das leblose Kätzchen aus der restlichen Fruchthülle und rubbelte es mit einem Frottiertuch kräftig ab. Zuerst lag es wie tot in meiner Hand aber plötzlich hörte ich ein leises Fiepen. Es lebte und das war einfach wunderbar.

 

Ich trocknete es noch weiter ab und bestaunte dieses kleine Wesen. Aber was war denn das? Bei einem Vorderbein fehlte das Pfötchen. Jetzt verstand ich langsam, weshalb die Mutter dieses kleine Wesen einfach liegen liess. Der Instinkt sagte ihr wohl, dass etwas mit diesem Jungen nicht stimmte und es in der Natur draussen kaum überleben könnte. In diesem Moment kam Karin, mit Wärmelampe und chirurgischem Besteck bewaffnet, zur Tür hinein und ich zeigte ihr das kleine Büsi. Sie meinte, dass es die Mutter vielleicht nicht annehmen würde; aber wir sollten es zumindest versuchen. Als wir es zur Mutter legten, fing es sogleich an zu trinken. Brigitte war zuerst etwas skeptisch aber schon nach kurzer Zeit fing sie an, es zu lecken. Die erste Hürde war geschafft. Wir sassen noch einige Zeit vor dieser jungen Familie, bevor sich Karin wieder nach Hause aufmachte. 


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In dieser Nacht schlief ich nicht sonderlich viel. Andauernd ging ich wieder ins Zimmer zurück, um zu kontrollieren, ob das Kleine nicht von der Mutter verstossen worden war. Es ging alles gut. Brigitte nahm sich diesem Kleinsten genau so an wie den andern und war eine perfekte Mutter. Die Frage war nun, ob das Katerli später mit dieser Behinderung zurecht kommen würde. Als die Kleinen langsam anfingen, herum zu kriechen war die Spannung gross. All unsere Bedenken lösten sich in Luft auf. Mogli, wie der kleine Kater später von seiner neuen fürsorglichen Besitzerin getauft wurde, entwickelte sich genau so prächtig wie seine Geschwister und stand den anderen beim Spielen und Balgen in nichts nach.

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Für die ganze Katzenfamilie konnten gute Plätzli gefunden werden. Mogli wurde, wegen seiner Behinderung, als Wohnungskatze zu drei anderen Katzen und einem Labradorhund platziert und hat sich zu einem liebenswerten strammen Kater gemausert. Zwei der anderen Jungen kamen in eine Familie nach Brienz und eines in die Stadt Bern. Brigitte hat es am weitesten geschafft. Sie lebt nun in Pfeffingen BL und beherrscht eine vierköpfige Familie mit Haus und Garten.



Simba, der Strassenkater aus der Stadt

An einem Mittwoch morgen erreichte mich ein etwas ungewöhnlicher Anruf. Eine Frau bat mich, einen alten Kater aus ihrem Quartier aufzunehmen. Ich kannte sie bereits weil sie mir bei einem Tierschutzfall in Brienz behilflich gewesen war. Die Geschichte dieses Katers war folgende: Seit Jahren streifte dieses zerzauste Tier in einem Quartier in der Stadt Bern umher.

 

image017 trenner Er war überall und nirgends Zuhause. Wo er nur konnte, versuchte er, etwas Essbares zu ergattern. Natürlich war er nicht bei jedermann willkommen und musste wohl so einiges erdulden. Eine ältere Dame hatte Mitleid mit ihm und fütterte ihn so gut es eben ging, in die Wohnung nehmen durfte sie ihn nicht. Nun schien aber plötzlich mit dem Tier etwas nicht mehr in Ordnung zu sein. Die Frau organisierte eine Katzenfalle, fing den Kater ein und brachte ihn ins Tierheim Oberbottigen. Dort testete man den Kater auf Leukose und er wurde kastriert. Da er sich nicht von seiner besten Seite zeigte und sich etwas kratzbürstig benahm, entschloss man sich, ihn der Frau zurückzugeben. Einen neuen Platz für ihn würde man in angemessener Zeit bestimmt nicht finden. Nun war guter Rat teuer. Durch Zufall erfuhr die Frau nun von meiner Katzenauffangstation und rief mich an. Ich erklärte mich bereit, den Kater Simba versuchsweise aufzunehmen und abzuklären, ob er noch zähmbar sei. Wir vereinbarten, dass die Dame den Kater zurücknehmen und wieder an den angestammten Platz entlassen würde, falls er sich bei mir nicht wohl fühlen sollte. So kam er, Simba, ins Berner Oberland. Der erste Eindruck, den er auf mich machte, war nicht sonderlich gut: Ein eingeschüchtertes und zerzaustes Tier blinzelte mich an. Ich quartierte ihn in einen grossen Käfig mit Schlafgelegenheit und Katzenklo ein. Es war erstaunlich. Dieser alte Greis benutzte von Anfang an das Kistchen, und entwickelte einen gesunden Appetit. Von Tag zu Tag wurde er friedfertiger. Er fauchte nicht mehr und liess sich sogar etwas am Kopf kraulen.

 

Nun entliess ich ihn aus dem Käfig und er suchte sich sogleich eine gemütliche Katzenhöhle, die er nicht mehr freigeben wollte. Nach einiger Zeit brachte ich ihn zu einer gründlichen Untersuchung in die Tierklinik. Falls er schwer krank sein sollte, wollte ich ihn nicht leiden lassen. Er wurde narkotisiert, damit man ihm etwas Blut abnehmen konnte und es wurde noch eine Röntgenaufnahme seines Bauches gemacht. Da er schlief, konnte man ihn auch rasieren, damit ihn das völlig verklebte Fell nicht noch zusätzlich plagte. Der Zahnstein sollte auch noch entfernt werden, was sich aber nicht mehr als notwendig erwies, da er nur noch einen einzelnen Zahn im Maul hatte. Die medizinischen Abklärungen verliefen nicht ganz so haarsträubend. Er schien zwar ein Nierenleiden zu haben, was man aber mit Diätfutter unter Kontrolle halten konnte und sein Darm war auch nicht mehr der Jüngste, aber ihn einzuschläfern stand im Moment nicht zur Diskussion. So nahm ich ihn wieder in die Auffangstation zurück. Jetzt musste noch ein geeigneter Platz gesucht werden. Glücklicherweise fand die Frau aus Bern, die sich schon vorher sehr für diesen Kater engagiert hatte, eine ältere Frau die Simba bei sich aufnahm. Seither ist er schon einige Monate platziert und hat sich gut eingelebt. Gemäss regelmässigem Rapport der Dame geht es ihm vorzüglich und er scheint sich auch in ihrer Katzengruppe (verschiedene „Auslaufmodelle“) wohl zu fühlen. 


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Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, dass man auch alte und manchmal nicht unbedingt sehr schöne Tiere platzieren kann. Auch für ganz scheue Tiere konnten wir noch immer ein geeignetes Zuhause finden. Es dauert halt manchmal einfach etwas länger.

 


Lieber einen Spatz im Maul als eine Taube im Bauch 

Der Kater Jassir (Arafat?) kam als Gast in meine Katzenauffangstation, da er seinem Besitzer plötzlich nicht mehr genehm war. Aggressives und bösartiges Verhalten, vor allem gegenüber Kindern, wurde als Grund in der Verzichtserklärung angegeben. Davon merkte ich später aber nie etwas, denn Jassir war von Anfang an ein äusserst liebenswerter Kerl. Er hatte früher schon so einiges erlebt, worauf wohl auch sein Stummelschwanz zurückzuführen war. Dieser schien den Kater jedoch in keiner Weise zu stören, ganz im Gegenteil, schon beinahe demonstrativ streckte er ihn ständig in die Luft.

 

Das Einzige, was mir auffiel war, dass Jassir sehr wenig frass. Als ich ihn einmal herumtrug, bemerkte ich eine kleine Geschwulst unter seiner Schulter. Da ich grundsätzlich keine Katzen platziere, bei denen gesundheitliche Störungen vorliegen, ging ich sogleich in die Tierklinik, um dies abzuklären. Weil man keine genaue Diagnose stellen konnte, wurde eine Röntgenaufnahme gemacht. Das „Chnübeli“ erwies sich als harmlose Fettgeschwulst, jedoch wurde etwas anderes entdeckt: Im Magen des Katers befand sich ein rundliches Metallteil und niemand konnte sich vorstellen, was das sein konnte. Wir beschlossen, nach einiger Zeit nochmals eine Röntgenaufnahme zu machen. Vielleicht würde sich Jassir ja selbst dieses Dinges entledigen. 


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Nach ca. 2 Wochen wurde er also nochmals geröngt. Das Metall befand sich praktisch unverändert an der gleichen Stelle. Nun beschloss Andreas Löhrer, der Tierarzt, dass man wohl den Magen öffnen müsse, um diesen Gegenstand zu entfernen. Jassir musste sich also einer Magenoperation unterziehen. Zum Erstaunen aller kam ein runder Ring zum Vorschein. Dabei handelte es sich um den Fussring der Taube Nr. 29047 CH05. Die Schlussfolgerung: Jassir hat wohl eine Taube mitsamt Fussring verspeist, der ihm noch lange schwer im Magen gelegen wäre, hätte man ihn nicht zufälligerweise gefunden. Der Kater erholte sich sehr rasch und frass auch wieder mehr. Bald darauf konnte er auch schon platziert werden. Er wohnt nun ganz in meiner Nähe bei einer alleinstehenden jungen Frau mit einem kleinen Buben und das, obwohl er ja so aggressiv ist…