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Geschichten 2008

 

Bericht Katzenauffangstation TSVI Bönigen

Gross und klein

Alt und jung

Dick und Dünn

Schwarz und Weiss

Einäugig und zweiäugig…...

 

Im Jahr 2008 konnten wir über 200 heimatlose Katzen an neue liebevolle Plätze vermitteln. Es handelte sich vorwiegend um Verzichtstiere von Bauernhöfen und Privatpersonen. Bei einigen der gefundenen oder zugelaufenen Katzen konnte kein Besitzer ausfindig gemacht werden, so dass wir diese, nach den gesetzlich vorgeschriebenen zwei Monaten Wartezeit, auch weiterplatzieren durften. trenner image009

 

Erstaunlicherweise melden sich in der Auffangstation auch viele Interessenten, die ein erwachsenes Tier bei sich aufnehmen möchten. Für Katzen, die über 10 Jahre alt sind, finden wir jedoch meist erst nach längerer Zeit einen geeigneten Platz. Die Angst, dass das aufgenommene Tier nicht mehr lange lebt, hält viele Leute davon ab, einer älteren Katze ein neues Zuhause zu geben. Eine zehnjährige Katze kann jedoch gut und gerne noch 8 Jahre oder mehr leben. Bei einem jungen Tier hat man schliesslich auch keine Gewähr, dass es noch lange lebt. Vor allem Autounfälle werden den Jungtieren oft zum Verhängnis, da sie noch sehr verspielt und unachtsam sind.

Meine Ausbildung zur dipl. Tierpsychologischen Beraterin I.E.T. bei Dr. Dennis C. Turner (Verhaltensforscher und Katzenexperte, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Zürich-Irchel), sowie der Besuch verschiedener Seminare bei Rosmarie Schär (ebenfalls Katzen-Verhaltensforscherin), tragen viel dazu bei, dass ich den Katzen die bestmöglichen Voraussetzungen für ihr Wohlergehen bieten kann. Ihr Aufenthalt in der Auffangstation sollte schliesslich möglichst angenehm und stressfrei sein. Die Tiere kommen teilweise aus sehr misslichen Verhältnissen und müssen zuerst einmal zur Ruhe kommen.

Das Schwierigste an unserer Arbeit ist die Neuplatzierung der Katzen und Kätzchen. Man muss die Tiere zuerst einmal kennenlernen, um auch einen geeigneten neuen Lebensplatz zu suchen. Jedes Tier hat einen eigenen Charakter und dem sollte man unbedingt Rechnung tragen. Eingehende Gespräche mit potentiellen Herrchen und Frauchen und Besuche der angehenden Katzenbesitzer bei den Pfleglingen nehmen viel Zeit in Anspruch (manchmal gibt es deswegen sogar schlaflose Nächte). In der Regel hat bis jetzt zusätzlich auch das „Gspüri“ gut funktioniert. Äusserst selten musste ein Pflegling umplatziert werden, weil sich Mensch und Tier nicht optimal verstanden.

Ich hoffe, dass unsere ehemaligen Pensionäre mit der geleisteten Arbeit zufrieden sind.

 

 

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Nicki

Seit einigen Jahren besuchte ich regelmässig eine betagte Frau im Oberhasli. Sie fütterte alle Katzen des Dorfes, was verständlicherweise nicht jedermann gefiel. Rings um ihr Haus zählte ich jeweils um die 20 Fressnäpfe und die Katzen tummelten sich rundherum. Mein gutes Zureden, sie solle bitte nicht draussen füttern, blieb unbeachtet. Die unkastrierten Katzen kamen reihenweise mit immer neuem Nachwuchs vorbei. Zweimal jährlich stellte ich also Katzenfallen auf und wir kastrierten alle Büsis, die uns in die Falle gingen. Die Jungtiere haben wirjeweils gezähmt und platziert. Die erwachsenen Tiere konnten wieder freigelassen werden und langsam aber sicher hatten wir die Vermehrung unter Kontrolle. Die Zahl der Katzen nahm wesentlich ab.

Bei diesen Aktionen ging auch regelmässig ein alter, streunender Kater in die Falle. Er schien invalid zu sein. Sein hinteres Bein war, höchstwahrscheinlich durch einen Unfall, versteift. Man hatte es geröntgt, als er das erste Mal in die Falle ging. Da er damit immer noch gehen konnte, beschlossen die Tierärzte ihn nach dem Kastrieren wieder in die Freiheit zu entlassen.

Zweimal jährlich begegnete ich so diesem fauchenden ungehaltenen Streuner und liess ihn immer wieder aufs Neue aus der Falle in die Freiheit zurück. Er war mir schon richtig ans Herz gewachsen und ich freute mich jedes Mal darüber, dass er noch lebte.

Letzten Herbst musste nun die betagte Frau ins Pflegeheim umziehen. Sie hatte noch drei eigene Katzen und einige streunende, aber bereits kastrierte Büsis ums Haus herum. Die zahmen Tiere konnte ich in Körben transportieren. Um die wilderen Katzen einzufangen, stellte ich wieder Fallen auf. Natürlich konnte ich auch wieder meinen alten Streuner begrüssen. Was nun? Die verwilderten, kastrierten jüngeren Tiere würden bestimmt wieder in der Umgebung Futter auftreiben können und für die etwas Zahmeren konnten wir neue Plätze finden. Dieses alte Modell mit Behinderung war jedoch nicht mehr in der Lage selber durchzukommen.

Ich nahm ihn, trotz seines Fauchens und wild um sich Schlagens mit in meine Auffangstation. Zu Beginn zeigte er sich nicht sehr kooperativ, was sich aber nach einigen Wochen langsam änderte. Da er ausser dem versteiften Hinterbein nun auch noch ein Lungenproblem bekam, war es nicht mehr möglich, ihn zu platzieren. Nun lebt Nicki in unserer Familie und scheint sich recht wohl zu fühlen. Sein Lieblingsplatz ist auf dem Ofenbänkli, wie es sich für einen alten angeschlagenen Kater gehört. Er ist der Liebling der ganzen Familie geworden. Jeder der ihn sieht, glaubt nicht, dass er sich früher wie eine wilde Furie benahm. Ich weiss es aber besser!

 

Mutterglück

Vor einigen Wochen war am Brienzersee eine Kastrationsaktion angesagt. Eine Bauernfrau telefonierte mir mit der Bitte einmal vorbeizukommen, um ein „Katzenproblem“ zu besprechen. Da am Abend immer alle Katzen auf die Milch warteten, solle ich doch einmal zu dieser Zeit vorbeikommen. Als ich eintraf erwarteten mich unzählige Katzen und eine grosse Bauernfamilie vor dem Haus. Die wilden Tiere sollen wir doch alle einschläfern und die zahmeren Tiere würden sie kastriert wieder zurücknehmen, liessen die Bauernleute verlauten.

Durch eingehende Gespräche mit Hilfe des Hoftierarztes konnten die Leute überzeugt werden, dass wir die zahmeren Tiere, falls sie diese nicht mehr zurücknehmen wollten, platzieren würden und dass wir die wilden jüngeren Katzen kastriert wieder zurück brächten. Unter den vielen Katzen hielt sich auch ein hochträchtiges Weibchen auf.

Den Bauern zufolge war sie schon alt und wir sollten sie gleich mitnehmen und einschläfern, sie würde sowieso nicht mehr lange leben. Die Katze machte einen relativ guten Eindruck auf mich und der Nachwuchs würde bestimmt auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich machte den Vorschlag, sie zu mir zu nehmen und die Geburt abzuwarten. Falls die Katze sonst gesund sei, würde ich nachher für die ganze Familie ein neues Zuhause suchen. Alle waren damit einverstanden.

Nun begann die Aktion. Die zahmen Büsis wurden in Transportkäfige verfrachtet. sechs Katzenfallen wurden gestellt. Die trächtige Katze kam zur Untersuchung in die Tierarztpraxis. Innert zwei Tagen wurden alle Katzen, mit tatkräftiger Unterstützung der Landwirtfamilie, gefangen, kastriert und zurück gebracht. Drei alte Katzen hatten allerdings massiven Katzenschnupfen, so dass sie leider eingeschläfert werden mussten.

Die trächtige Katze habe ich Marilyn getauft. Nach drei Wochen Aufenthalt bei mir hat sie am 2. April zwei Junge geboren. Ganz ohne Aufsehen und völlig problemlos. Die ersten Tage war sie sehr aggressiv und man durfte nicht in die Nähe ihrer Wurfkiste gehen. Unter fast lebensgefährlichen Bedingungen konnte ich die Kleinen trotzdem fotografieren. Es bedurfte jedoch einiger Überlistung der mürrischen Mutter. Nach einer Woche hatte sie sich bereits sehr beruhigt und geniesst nun die Fürsorge unserer Familie und die Freude über die hübschen Kleinen. Marilyn soll nun ihre Katzenbabys in aller Ruhe grossziehen. Ich hoffe sehr, für die Katzenmutter (trotz ihres Alters) und die Jungmannschaft ein neues, liebevolles Zuhause zu finden.

Chip sei Dank

Das Chippen einer Katze bringt nicht immer etwas, aber im folgenden Fall war es definitiv sehr hilfreich.

Vor den Herbstferien erzählte mir eine Nachbarin, wie sie am Vortag beim Besuch des Restaurants Harder-Kulm einer Katze begegnete. Die Angestellten erzählten ihr, dass sich dieses Tier bereits seit einigen Tagen hier aufhalte und um Futter bettle; sie gehöre aber niemandem vom Restaurant. Ich rief dort an und wir vereinbarten, dass ich das Tier am nächsten Morgen abholen käme. Die Katze war äusserst zahm und liess sich ohne Anstalten in einen Transportkorb verfrachten.

Alle gefundenen Büsis kommen zuerst zu einem Tierarzt, der ihren Gesundheitszustand prüft. Auch in diesem Fall brachte ich das Tier sofort in die Tierklinik. Bei allen Neuankömmlingen kontrolliert man ebenfalls, ob sie gechipt sind. Das Lesegerät piepste und die Praxisassistentin notierte sich die Nummer des Chips. Der Besitzer der Katze konnte so ausfindig gemacht werden.

Es handelte sich um Jemanden aus Gümligen. Wir benachrichtigten den Besitzer, der aus allen Wolken fiel, da er sein Büsi schon beinahe ein Jahr vermisst hatte. Wie die Katze von Gümligen auf den Harder gekommen ist, wird wohl ein Rätsel bleiben. Da sie jedoch gechipt war, konnte sie nun sofort nach Hause zurück. Wäre sie aber nicht registriert gewesen, hätte man den Besitzer bestimmt nicht mehr gefunden.

Wir melden zwar alle Findtiere bei der zuständigen Stelle des Kantons aber dies hätte in diesem Fall nichts mehr gebracht, da sich der Besitzer der Katze vor einigen Monaten dort gemeldet hatte und seine Meldung nun bereits längstens wieder gelöscht worden ist: Vermisst- und Fundmeldung hätten sich also nicht mehr getroffen. Wir veröffentlichen auch einen Steckbrief der gefundenen Tiere in den lokalen Zeitungen, aber diese werden nur in der Region gelesen und somit hätte auch das in diesem Fall nicht geholfen. Nur dank des Chips kam Marina nach langer Zeit wieder wohlbehalten in ihr Zuhause zurück!